Fast jeder leidet mindestens einmal im Leben an Liebeskummer. Viele von uns sogar mehrfach. Er kann kommen, wenn wir verlassen werden, wenn wir in einer unerwiderten Liebe feststecken. Oder auch innerhalb einer Beziehung, wenn wir zum Beispiel betrogen wurden. Woher kommt dieses grauenhafte Gefühl, das sich anfühlt, als würde uns wirklich das Herz rausgerissen werden? Hat es vielleicht sogar einen Sinn?

 

So fühlt sich Liebeskummer an

Es gibt kein einheitliches Erlebnis von Liebeskummer. Bei manchen klingt er schnell ab, bei anderen dauert es länger. Auch die Intensität oder unsere Reaktion darauf variieren. Was feststeht, ist, dass unser Gehirn körperlichen Schmerz in der gleichen Region und auf die gleiche Weise verarbeitet wie seelischen. Wir nehmen also tatsächlich einen Schmerz wahr. Manchmal ist dieser undefinierbar und hat keinen festen Ort. Wir können aber auch wirklich ein Stechen in der Brust fühlen, Herzrasen oder Bauchschmerzen bekommen, zittern, schwitzen oder es wird uns übel.

In schlimmen Fällen kann es zum „Broken Heart Syndrom“ kommen. Das ist eine Funktionsstörung der Herzkammer. Die Symptome sind ähnlich wie bei einem Herzinfarkt. Nur ist die Ursache keine Verengung, sondern extrem hoher Stress. Die gute Nachricht: Ein auf diese Weise gebrochenes Herz kann gut wieder heilen, wenn es ärztlich behandelt wird.

Liebeskummer fühlt sich auch an wie ein Drogenentzug. Glückshormone, die wir über lange Zeit „verabreicht“ bekommen haben, fallen weg. Deswegen fühlt es sich an wie ein kalter Entzug und kann die gleichen Symptome hervorrufen. Neben den körperlichen Auswirkungen werden wir auch aggressiv, antriebslos und traurig.

Je nachdem, unter welchen Umständen die Trennung stattgefunden hat, kann sich sogar eine Posttraumatische Belastungsstörung entwickeln. Ein Trauma zeichnet sich ja dadurch aus, dass uns etwas Schlimmes passiert, dem gegenüber wir machtlos sind. Wenn wir nichts dagegen tun können und einfach verlassen werden, tritt genau dies ein.

 

Die Phasen des Liebeskummers

Du kennst vielleicht die 5 Phasen der Trauer: Leugnen, Zorn, Verhandeln, Depression, Akzeptanz. Ähnliche Phasen durchlaufen wir auch bei einer Trennung. Denn auch hier verlieren wir einen Menschen, der uns nahestand. Dass der- oder diejenige noch in der Welt ist (anders als ein*e Verstorbene*r) macht die Sache eher komplizierter. Wir halten uns dann nämlich manchmal an Hoffnungen fest, die zwar möglich sind, aber nicht gut für uns. In der Phase des Verhandelns werden wir vielleicht versuchen, doch wieder zusammen zu kommen.

 

Was sind die Ursachen von Herzschmerz?

Wie oben beschrieben, bedeutet eine Trennung (oder unerreichbare Liebe) eine Art von Trauma und ist wie ein Entzug von einer Droge.

Eine Ebene tiefer lässt sich dies anhand von Hormonen erklären. In einer Beziehung oder wenn wir verliebt sind, schütten wir einen ganzen Cocktail an Hormonen aus. Zum Beispiel Phenylethylamin, das für die „Schmetterlinge im Bauch“ und sexuelle Lust verantwortlich ist. Außerdem Dopamin, weil wir Bestätigung und Zuwendung erhalten, Komplimente und kleine Aufmerksamkeiten. Oxytozin, das Kuschelhormon, stärkt unsere Bindung und vermittelt eine tiefe innere Ruhe. Wenn wir gemeinsam mit unserer*m Partner*in lachen oder etwas Aufregendes erleben, durchfließen uns Endorphine.

Kommt es zur Trennung, stoppt diese Ausschüttung. Stattdessen wird das Stresshormon Cortisol ausgeschüttet. Entzug + Stress =eine Menge schlechter Gefühle.

Eine psychologische Ursache, die auch mit Systemen zu tun hat, ist: Wir verlieren an Sicherheit und Routine. Unser Gehirn mag Gewohnheiten, auch wenn sie unangenehm sind. Plötzlich ist alles anders. Das System Partnerschaft oder Familie wird zerrissen. Dadurch entstehen ein psychisches Leiden sowie Angst.

Wir fühlen uns allein gelassen – und allein sein ist für uns Menschen eine Gefahr. Heute ist unser Leben nicht mehr direkt gefährdet, aber diese Gefühle sitzen evolutionär sehr tief.

 

Hat Liebeskummer einen Zweck?

So grausam es klingt, ja, Herzschmerz hat vermutlich einen Zweck. Es ist noch nicht eindeutig wissenschaftlich bewiesen. Doch folgende Theorie klingt plausibel: Schmerz ist ein Warnsystem, damit wir uns nicht in gefährliche Situationen bringen. Wenn wir uns schneiden, können wir verbluten oder die Wunde entzündet sich. Also löst unser Gehirn Schmerz aus, damit wir in Zukunft vorsichtiger mit dem Messer sind. Genauso könnte es auch Herzschmerz auslösen, damit wir in Zukunft umsichtiger mit unseren Beziehungen umgehen, sie erhalten wollen. Denn auch, wenn es kein persönliches Ziel von uns ist: Unser Körper möchte, dass wir uns vermehren. Dazu ist eine stabile Beziehung sehr hilfreich. Auch für unser eigenes Überleben ist die Gemeinschaft mit anderen wichtig.

Kommt es doch zur Trennung, kann das Leiden noch einen zweiten Zweck haben. Nämlich, dass andere Angehörige sich dem verlassenen Menschen zuwenden. So wird sichergestellt, dass er/sie doch noch überlebt.

Du möchtest wissen, ob Eure Beziehung sich wieder zum Guten wenden kann? Du machst Dir Sorgen, dass es zur Trennung kommen könnte? Dann kann Dir myndpaar vielleicht helfen. Die App unterstützt Euch u. a., wieder Nähe zu finden oder Klarheit zu schaffen.

Apple Storegoogle play store 2